Buchrezension: Achtsamkeit mitten im Leben.

Hölzel B, Brähler C. 2015. Achtsamkeit mitten im Leben: Anwendungsgebiete und wissenschaftliche Perspektiven. O.W. Barth

“ …

Das ist die beste Art zu lieben, dachte ich,

ohne Wiedergutmachungen, ohne Geschenke,

oder unschöne Worte, ohne Misstrauen

oder Schweigen am Telefon.

… „

(Aus: Ziellose Liebe von Billy Collins, aus dem Amerikanischen von Ron Winkler; zitiert nach Hölzel, Brähler 2015)

Auch ein Gedicht hat Platz in diesem Buch. Und Übungen. Und Wissenschaft. OK, dieses Buch ist nicht aktuell erschienen, sondern schon Anfang letzten Jahres. Warum trotzdem hier auf ah! eine Besprechung? Die Antwort ist natürlich subjektiv: Es ist wirklich ein  echtes Nachschlagewerk zum Thema. Es hat die Redaktion von ah! inspiriert, weil es eine Lücke schließt zwischen den Veröffentlichungen in internationalen Fachjournals und der riesigen Menge an Ratgeberliteratur. Es ist intellektuell redlich, weil es klar unterscheidet zwischen den Dingen, die man weiß und die man aktuell nur vermuten kann. Diese wissenschaftliche Haltung belegen auch die 476 Quellenangaben zu den insgesamt 13 Kapiteln auf 326 Seiten

Aber zunächst kurz zu den Herausgeberinnen des Buches. Sie sind beide anerkannte Expertinnen auf ihren Gebieten: Dr. Britta Hölzel ist Psychologin und Hinforscherin mit dem Spezialgebiet Achtsamkeit. Dr. Christine Brähler ist Psychologische Psychotherapeutin und Spezialistin für Selbstmitgefühl. Beide reflektieren über Achtsamkeit aber praktizieren eben auch selber. Und auch dies ist in dem Buch durchgängig zu spüren. Die Herausgeberinnen haben neun verschiedene Autoren versammelt.

Das einführende Kapitel von Britta Hölzel und Christine Brähler gibt grundlegende Informationen zum aktuellen Stand von Achtsamkeitsforschung und -praxis.

Im zweiten Kapitel gibt Prof. Dr. Stefan Schmidt einen historischen Abriss der Entwicklung des Begriffes der Achtsamkeit. Er ist Juniorprofessor für transkulturelle Kulturwissenschaften und leitet am Uniklinikum Freiburg die Forschungsgruppe Meditation. Seine Analyse geht weit über reine Philologie hinaus. Er beschreibt die Reise der Achtsamkeit aus dem östlichen Kontext in den westlichen Kontext. Sehr bemerkenswert: er schließt mit kritischen Überlegungen zu einer funktionalisierten Achtsamkeit von heute vor dem Hintergrund des revolutionären Potenzials, dass der Buddhismus seht jeher in der Praxis der Achtsamkeit gesehen hat.

Britta Hölzel selber umreißt in einem eigenen Kapitel die psychologisch-neuro-wissenschaftliche Perspektive auf die Mechanismen der Achtsamkeit. Ihre Thesen:   Achtsamkeitsmeditation stärkt die Aufmerksamkeitsregulation, verbessert die Emotionsregulation und bewirkt Veränderungen im Selbsterleben. Sie gibt zu Beginn ein Beispiel für eine geführte Achtsamkeitsmeditation und beschreibt dann den aktuellen Forschungsstand.

Im Rahmen dieser Buchbesprechung kann leider kein kompletter Abriss der Inhalte gegeben werden, daher im Folgenden noch einige Themen in Stichworten: achtsamer Umgang mit Schmerz, Selbstmitgefühl, Aufwachen und Erwachen, Achtsamkeit für werdende Eltern, Achtsamkeit in der Schule, im Berufsalltag und achtsam altern.

Das Buch sei allen ans Herz gelegt, die sich seriös und umfassend zum Thema informieren und inspirieren lassen wollen.

(mg)

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