Meditieren – Risiken und Nebenwirkungen

Meditieren ist gesund, eine regelrechte „Glückspille“, darüber scheint man sich rund um den Globus einig zu sein. Wie jede Maßnahme hat sie aber auch ihre Risiken und Nebenwirkungen – anders als beispielsweise bei Medikamenten wird bei der Meditation allerdings nur wenig darüber gesprochen.

Typische Probleme bei Meditationsanfängern:

  • Verbreitet sind verschiedene Sitzhaltungen auf dem Boden. Da diese für Mitteleuropäer sehr ungewohnt sind, können sie Schmerzen verursachen. In vielen Ratgebern werden diese als vorübergehend und harmlos eingeschätzt. Vor allem Positionen wie der Schneidersitz oder der Lotussitz können jedoch auf Dauer ernstere Knieprobleme verursachen (Innenmeniskusschäden). Der Fersensitz verlangt sehr viel Kniebeugefähigkeit, daher empfiehlt sich hier ein Meditationsbänkchen, das hoch genug ist.
  • Negative Gedanken und Emotionen können ins Bewusstsein treten, die vorher durch Aktivität verdrängt waren.
  • Unrealistische Erwartungen über positive Effekte werden häufig enttäuscht.
  • Die Frage des Wann, Wo und Wie-lange ist oft schwierig und die Veränderungen im Alltag können durchaus psycho-soziale Probleme aufwerfen.

Fortgeschrittene Meditierenden stellen sich häufig vor, dass ein „falsches Ego“ aufgegeben werden sollte. In der Psychiatrie wäre die Entsprechung hierzu die sog. „Depersonalisation“. Wenn Betroffene die Kontrolle über Zustände der „Ich-Losigkeit“ verloren haben und Angst und Abneigung gegenüber der entsprechenden Praxis empfinden, kann es sich um eine Störung handeln (1). Meditation kann auch als „Spiritual bypassing“ missbraucht werden. Hierunter versteht man das Benutzen spiritueller Ideen und Praktiken zur Therapievermeidung (1). Es ist nicht empfehlenswert bei psychischen Problemen auf direktem Wege „Erleuchtung“ anzustreben!

In den Medien wird die Förderung der seelischen Gesundheit durch Meditation propagiert. Es könnte daher sein, dass mehr Personen mit psychischen Problemen und Vorerkrankungen meditieren. Es ist aber sicher keine gute Idee, sich mit akuten psychischen Schwierigkeiten zu einer mehrtägigen Meditations- und Schweigeveranstaltung anzumelden. Um auftretenden Schwierigkeiten angemessener zu begegnen, ist das abgestufte und dosierte Erlernen der Meditation mit Lehrer und in der Gruppe ratsamer. Allerdings wird auch vielfach von problematischen Lehrer-Schüler-Beziehungen berichtet. (1)

Insgesamt steht die Forschung zum Thema Risiken und Nebenwirkungen der Meditation noch am Anfang. Der deutsche Meditationsforscher Ulrich Ott hat ein Forschungsprojekt zum Thema gestartet (2, 3). Man darf gespannt sein.

Ein Beitrag von Frank Aschoff

Quellen:

  1. Peter Sedlmeier. 2016. Die Kraft der Meditation. Hamburg: Rowohlt
  2. Ulrich Ott. Ist Achtsamkeit für jeden gut? Vortrag an der Uni Hamburg. https://ethik-heute.org/ist-achtsamkeit-fuer-jeden-gut/; eingesehen am 18.7.2017
  3. Ulrich Ott. 2012. Risiken und Nebenwirkungen von Meditation. Vortrag. http://www.smmr.de/wp-content/uploads/2012/09/Risiken-und-Nebenwirkungen-von-Meditation.pdf; eingesehen am 18.7.2017

Bildquelle: fotomek – fotolia.com

 

 

 

 

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