Aktuelle Studie zeigt: Achtsamkeit hilft, stressige Warteperioden zu bewältigen

Menschen müssen häufig auf wichtige Nachrichten warten, wie zum Beispiel auf Prüfungsergebnisse. Die Forschung zeigt, dass die Strategien weitgehend ineffektiv sind, die Menschen instinktiv anwenden, um die damit verbundene Unsicherheit zu bewältigen. Kate Sweeny und Jennifer Howell haben in zwei aufeinander bezogenen, am 18. Juni 2017 veröffentlichten, Studien die Rolle der Achtsamkeit bei der Bewältigung der Erfahrung einer stressigen Wartezeit getestet.

In der ersten Studie wurden 150 Jura-Absolventen, die vier Monate auf ihre Prüfungsergebnisse warten mussten, mithilfe des Freiburger Fragebogen zur Achtsamkeit (FFA) auf ihre Achtsamkeitsdisposition hin untersucht und Messungen mithilfe von weiteren Fragebögen u.a. zu Bewältigungsstrategien und Pessimismus / Optimismus unterzogen.

In der zweiten Studie wurden 90 Jura-Absolventen, die auch die Wartezeit zu bewältigen hatten, zufällig zwei Gruppen zugeordnet. Die eine Gruppe erhielt ein 15 Minuten langes Video zur Durchführung der „Achtsamkeitsmeditation“, die andere ein 15-Minuten-Video zur Durchführung der „Liebende-Güte-Meditation“. Beide Gruppen wurden angewiesen während der Warteperiode, zwei Mal pro Woche 15 Minuten zu meditieren; auch diese Absolventen wurden wie in der ersten Studie mithilfe der gleichen Fragebögen u.a. zu ihren Bewältigungsstrategien und Pessimismus / Optimismus untersucht.

Die Teilnehmer sollten außerdem über ihre Meditationspraxis und ihre jeweiligen Erfahrungen berichten: dies zeigte, dass die Teilnehmer dazu tendierten, die Meditation nur einmal pro Woche durchzuführen; nur 41 Prozent führten sie zweimal wöchentlich durch.

Die Ergebnisse der beiden Studien bestätigten die Hypothesen der Untersucher: die Teilnehmer, die von ihrer Disposition her achtsamer waren oder die Meditationen praktizierten, bewältigten die Wartezeit subjektiv besser, indem sie optimistischer blieben und sich erst zu einem späteren Zeitpunkt der Wartezeit über einen schlimmen Ausgang sorgten. Die „Achtsamkeitsmeditation“ war hier statistisch bedeutend effektiver als die „Liebende-Güte-Meditation“. Am meisten profitierten diejenigen Teilnehmer von der Meditation, die von ihrer Disposition her eher pessimistisch waren und Ungewissheit schlechter tolerierten.

Die Studienergebnisse zeigen einen einfachen und effektiven Weg auf, um eine stressige Wartezeit besser zu bewältigen, vor allem für diejenigen, die in dieser Situation sehr anfällig für Disstress (negativer Stress) sind. Einschränkungen der Aussagekraft der Studie ergeben sich aus der niedrigen Intensität mit der die Meditation eingesetzt wurde und der geringen Übungserfahrung der Teilnehmer.

Ein Beitrag von Frank Aschoff

  1. Sweeny, K., Howell, J. L. (2017). Bracing later and coping better: Benefits of mindfulness during a stressful waiting period. Personality and Social Psychology Bulletin.

Regelmäßige Informationen zum aktuellen Stand der Achtsamkeitsforschung in englischer Sprache: American Mindfulness Research Association (AMRA); unter https://goamra.org

Bildquelle: fotomek – Fotolia.com

 

 

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