Kann ein Biomarker der Alzheimer-Erkrankung durch Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion positiv beeinflusst werden?

Die Alzheimer-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung und geht mit fortschreitender Demenz einher. Es sind Menschen höheren Alters betroffen, von den über 65-Jährigen sind es zwei Prozent. Aufgrund der enormen persönlichen, sozialen und ökonomischen Tragweite dieser Erkrankung suchen weltweit Forscher nach Wegen, dem Auftreten und dem Fortschreiten von Alzheimer vorzubeugen. Ein eingeschlagener Weg bezieht den Transkriptionsfaktor „REST“ (repressor element 1-silencing transcription factor) mit ein. Das Protein spielt eine wichtige Rolle bei der Differenzierung von Gehirnzellen (Neuronen) und schützt alternde Gehirnzellen vor schädlichen Einflüssen.

Menschen mit Alzheimer haben niedrigere REST-Level, während ältere Menschen, die  sich gute kognitive Funktionen noch bis in ein Alter von über 90 oder 100 Jahren erhalten haben, hohe REST-Level aufweisen. Ältere Erwachsene, die neurologische Veränderungen aufweisen, die typisch für Alzheimer sind, entwickeln keine Verhaltensauffälligkeiten, wenn ihr REST-Level hoch bleibt.

Kann das Anheben des REST-Levels das Risiko an Alzheimer zu erkranken senken? Ashton et al (1) gingen dieser Frage in ihrer Studie nach, indem sie eine neue Methode benutzten, REST im Blutplasma nachzuweisen. Zuerst untersuchten sie, ob diese neue Messmethode das Alzheimer-Risiko bestimmen kann, dann im zweiten Schritt, ob die Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction, MBSR) den REST-Level in einer Alzheimer-Risikogruppe erhöhen kann.

In der ersten Studie an 195 Teilnehmern mit einem Alter von über 65 Jahren wurde tatsächlich gezeigt, dass die Gruppe der Patienten mit Alzheimer den niedrigsten REST-Level aufwies. Patienten mit leichten kognitiven Auffälligkeiten wiesen einen mittleren und die gesunde Gruppe den höchsten Level auf.

Der zweite Teil der Studie schloss 81 über 65-Jährige ein, die entweder Depressionen oder Angst hatten, oder über subjektive Symptome von kognitiven Einschränkungen berichteten und daher als Risikogruppe eingestuft wurden. Sie wurden randomisiert (zufällig) in zwei Gruppen aufgeteilt: eine Gruppe erhielt ein achtwöchiges MBSR-Programm, die andere (Kontrollgruppe), einen achtwöchigen Gesundheitsinformationskurs, der Dinge wie gesunde Ernährung und das Management der Medikation umfasste.

Alle Teilnehmer wurden zu Beginn und nach Beendigung der Maßnahmen untersucht: auf den REST-Level im Plasma, auf andere Plasma-Marker die mit kognitivem Abbau verbunden sind, Kurz- und Langzeitgedächtnis, Angst, Depression und Sorgen.

Die MBSR-Gruppe und die Kontrollgruppe hatten zu Beginn statistisch bedeutsam (signifikant) verschiedene REST-Level, aber nicht mehr bei der Messung nach der achtwöchigen Maßnahme. Ursache war ein Anstieg des REST-Levels in der MBSR-Gruppe, der in der Kontrollgruppe nicht gegeben war. Gestiegene REST-Level in MBSR- und Kontrollgruppe gingen mit der Abnahme der Symptome Depression und Angst einher, aber nicht mit Veränderungen von Merkmalen wie kognitiver Funktion und Sorge.

Die Studie zeigt, dass der REST-Level im Plasma mit der Alzheimer-Erkrankung und leichten kognitiven Einschränkungen verknüpft ist, und dass der REST-Level durch MBSR angehoben werden kann, begleitet mit Verbesserungen bei den Merkmalen Depressionen und Angst. Längerfristige Studien sind notwendig, um aufzudecken, ob die durch MBSR erhöhten REST-Level über die Zeit bestehen bleiben und ob dies eine Rolle in der Vorbeugung der Alzheimer-Erkrankung spielen kann.

Ein Beitrag von Frank Aschoff

  1. Ashton, N. J., Hye, A., Leckey, C. A.,…Marchant, N. L. (2017). Plasma REST: A novel candidate biomarker of Alzheimer’s disease is modified by psychological intervention in an at-risk population. Translational Psychiatry.

Regelmäßige Informationen zum aktuellen Stand der Achtsamkeitsforschung in englischer Sprache: American Mindfulness Research Association (AMRA); unter https://goamra.org 

Bildquelle: freshidea – Fotolia.com

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