Kann eine Online-basiertes Achtsamkeitstraining das Phänomen des „Gedankenwanderns“ reduzieren?

Wenn Menschen nicht auf das was sie gerade tun fokussiert sind, sondern stattdessen über die Vergangenheit oder die Zukunft nachdenken, oder sich in Fantasien verlieren, spricht man vom sogenannten „mind wandering“, dem „Wandern der Gedanken“. Psychologen schätzen, dass Menschen fast die Hälfte ihrer wachen Zeit mit „mind wandering“ verbringen – und dass sie weniger glücklich sind, wenn sie dies tun.

Können Online-Programme, die die Aufmerksamkeitsfähigkeit unterstützen, Menschen helfen, das „mind wandering“ zu reduzieren? In einer randomisierten, kontrollierten Studie haben Bennike et al. (1)  ein Online-Achtsamkeitsprogramm mit einem Online-Programm für kognitives Training verglichen. Sie sind der Frage nachgegangen, ob so ein Programm Einfluss auf messbare Verhaltensmerkmale hat, die eine verbesserte Aufmerksamkeitsausdauer anzeigen.

Die Forscher teilten 137 erwachsene Freiwillige (Durchschnittsalter 42 Jahre) in zwei Gruppen: eine Gruppe absolvierte ein vierwöchiges Achtsamkeitstraining mithilfe der Headspace-App und die andere ein vierwöchiges kognitives Training mithilfe der Lumosity-App.

Die Headspace-Gruppe sollte die App täglich für geführte Meditationen benutzen, deren Dauer von 10 Minuten täglich auf 20 Minuten täglich gesteigert wurde. Die Lumosity-Gruppe absolvierte Online-Spiele. Diese sind so gestaltet, dass sie das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit, die kognitive Flexibilität, die Verarbeitungsgeschwindigkeit und die Problemlösefähigkeit verbessern sollen. Die Lumosity-Teilnehmer sind so instruiert worden, dass sie die gleiche Zeit wie die Headspace-Teilnehmer investierten. 21 Teilnehmer in jeder Gruppe sind von der finalen Auswertung ausgeschlossen worden, weil sie den Post-Test verpassten, oder weil auffiel, dass sie schon vorher Achtsamkeitstraining gemacht hatten.

Alle Teilnehmer wurden mithilfe des sog. „Sustained Attention to Response Task (SART) vor und nach dem vierwöchigen Training getestet. Ihnen wurden Zahlen auf einem Computerbildschirm gezeigt. Die Aufgabe bestand darin, jedes Mal wenn sie eine Zahl sahen, die Leertaste zu drücken, außer bei der Zahl drei. Die Zahl drei wurde nur in zehn Prozent der Gesamtzeit angezeigt, sodass die Teilnehmer die Leertaste in 90 Prozent der Zeit drücken mussten. Um diese Aufgabe zu bewältigen, muss man die Aufmerksamkeit gut aufrecht erhalten können; „mind wandering“ behindert bei der Erfüllung der Aufgabe. Alle Teilnehmer wurden außerdem vor und nach dem Vierwochentraining auf ihre Achtsamkeitsdisposition getestet (Mindfulness Attention Awareness Scale).

Es gab keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen vor dem Training. Nach dem Training zeigte die Headspace-Gruppe ein statistisch bedeutsam besseres Ergebnis im SART-Test als die Lumosity-Gruppe. Die Werte der Achtsamkeitsdisposition stiegen statistisch bedeutsam in der Headspace-Gruppe, aber nicht in der Lumosity-Gruppe.

Die Studie zeigt, dass eine Online-Achtsamkeitstraining die Achtsamkeit und die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu halten, steigern kann, während das in der Studie benutzte Kognitive Training dies nicht zeigen konnte. Die Aussagekraft der Studie ist allerdings limitiert durch die Tatsache, dass der SART-Test das „mind wandering“ nur indirekt misst. Außerdem ist unklar, ob Lumositiy ein effektives kognitives Training ist.

Ein Beitrag von Frank Aschoff

Literatur:

  1. Bennike, I. H., Wieghorst, A., Kirk, U. (2017). Online-based mindfulness training reduces behavioral markers of mind wandering. Journal of Cognitive Enhancement.

Regelmäßige Informationen zum aktuellen Stand der Achtsamkeitsforschung in englischer Sprache: American Mindfulness Research Association (AMRA); unter https://goamra.org

Bildquelle: pathdoc – Fotolia.com

 

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