Effekte der Achtsamkeitsbasierten Stressreduktion bei älteren Patienten mit Depression, Angst und subjektiv empfundenen kognitiven Defiziten.

Ältere Menschen, die unter Depressionen und Ängsten leiden, berichten häufig über kognitive und auf das Gedächtnis bezogene Probleme. Auch objektiv schneiden sie in unter anderem in Messungen des Kurzzeitgedächtnis oder der Sprachkompetenz schlechter ab als andere ältere Menschen.

Stress kann sowohl Depression und Ängstlichkeit verschlechtern, als auch kognitive Beeinträchtigungen hervorrufen. Es gibt wissenschaftliche Belege dafür, dass Cortisol, ein Hormon das bei Stress ausgeschüttet wird, einen nachteiligen Effekt auf Gehirnzellen im Hippocampus haben kann. Dies kann wiederum Gedächtnisleistung und kognitive Funktionen nachteilig beeinflussen.

Wetherell et al. (1) untersuchten den Effekt eines Programms zu Achtsamkeitsbasierten Stressreduktion („Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR)“) bei älteren Menschen, die unter Depression, Angst und subjektiv wahrgenommenen kognitiven Defiziten litten. Die Untersucher teilten 103 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 72 Jahren randomisiert (zufällig) auf zwei Gruppen auf: eine erhielt ein Achtwochenprogramm in Achtsamkeitsbasierter Stressreduktion (MBSR), die andere als Kontrollgruppe eine achtwöchiges Gesundheitserziehungsprogramm. Die Gesundheitserziehungsgruppe traf sich mit derselben Frequenz und Dauer wie die MBSR-Gruppe. Die Gesundheitserziehung umfasste u.a. den Umgang mit Depression und Angst, gesunde Ernährung, Medikamentenmanagement.

Die Patienten wurden an mehreren Zeitpunkten untersucht: zu Beginn und am Ende der Maßnahme und als follow-up drei und sechs Monate danach. Gemessen wurden: psychiatrische Symptome, verbales Gedächtnis, Sprachkompetenz, die Konzentrationsfähigkeit, Cortisolkonzentration im Speichel und die Achtsamkeit (mithilfe der „Cognitive and Affective Mindfulness Scale-Revised“). Trotz der zufälligen Zuteilung waren die Patienten der Gesundheitserziehungsgruppe im Durchschnitt zwei Jahre älter, hatten größere gesundheitliche Probleme und deutlich mehr nahmen Antidepressiva.

Die Ergebnisse waren folgende: die MBSR-Gruppe zeigte statistisch bedeutend größere Verbesserungen des verbalen Gedächtnis als die Kontrollgruppe. Weiterhin zeigte die MBSR-Gruppe größere positive Effekte in Bezug auf Depression, Angst und Achtsamkeit.

Die verblindeten Untersucher schätzten die klinischen Verbesserungen bei 47 Prozent der Teilnehmer der MBSR-Gruppe als „groß“ oder „sehr groß“ ein, verglichen zu 27 Prozent bei der Kontrollgruppe. Diese klinischen Verbesserungen konnten auch bei den follow-ups festgestellt werden.

Keine Unterschiede zwischen den Gruppen konnten bei der Sprachkompetenz und der Konzentrationsfähigkeit festgestellt werden. Ein Unterschied in der Cortisolkonzentration im Speichel wurde nur festgestellt, wenn ausschließlich die Teilnehmer betrachtet wurden, deren Cortisolkonzentration zu Beginn der Maßnahme über dem Median war: Die MBSR-Teilnehmer mit hohem Cortisolspiegel konnten ihn statistisch bedeutsam senken, während die Kontrollgruppenteilnehmer einen Trend zu höheren Cortisolspiegeln zeigten.

Die Studie zeigt, dass ein MBSR-Programm psychiatrische Symptome und verbales Gedächtnis bei älteren Patienten mit Depression und Angst bedeutend verbessern kann; und es kann den Cortisolspiegel bei den Patienten senken, die vor Beginn der Maßnahme einen erhöhten Spiegel aufwiesen.

Die Aussagekraft der Studie ist unter anderem begrenzt durch die oben erwähnten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.

Ein Beitrag von Frank Aschoff

Literatur:

  1. Wetherell, J. L., Hershey, T., Hickman, S., …Lenze, E. J. (2017). MBSR for older adults with stress disorders and neurocognitive difficulties: A RCT. The Journal of Clinical Psychiatry.

Regelmäßige Informationen zum aktuellen Stand der Achtsamkeitsforschung in englischer Sprache: American Mindfulness Research Association (AMRA); unter https://goamra.org

Bildquelle:  goodluz– Fotolia.com

 

 

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